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Glockenspiel aus Meißner Porzellan

Weihnachtslied-Check: Süßer die Glocken nie klingen

Für Sie nachgeschlagen … #4 Süßer die Glocken nie klingen

Auch in diesem Jahr schaue ich mir zur Vorweihnachtszeit ein Weihnachtslied genauer an. Im letzten Jahr befasste ich mich mit dem Lied „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“, davor war es die „Gute neue Mär“. Dieses Jahr habe ich mich für „Süßer die Glocken nie klingen“ entschieden.

„Süßer die Glocken nie klingen als zu der Weihnachtszeit;
’s ist, als ob Engelein singen wieder von Frieden und Freud,
wie sie gesungen in seliger Nacht, wie sie gesungen in seliger Nacht.
Glocken mit heiligem Klang, klinget die Erde entlang!

2. O, wenn die Glocken erklingen, schnell sie das Christkindlein hört,
tut sich vom Himmel dann schwingen eilig hernieder zur Erd,
segnet den Vater, die Mutter, das Kind, segnet den Vater, die Mutter, das Kind.
Glocken mit heiligem Klang, klinget die Erde entlang!

3. Klinget mit lieblichem Schalle über die Meere noch weit,
dass sich erfreuen doch alle seliger Weihnachtszeit.
Alle aufjauchzen mit herrlichem Klang, alle aufjauchzen mit herrlichem Klang.
Glocken mit heiligem Klang, klinget die Erde entlang!“

(Text: Friedrich Wilhelm Kritzinger, 1816–1890)

Die Bedeutung des Textes

Ähnlich wie bei „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“ ist es auch bei „Süßer die Glocken nie klingen“ gerade die erste Textzeile, die ich sprachlich spannend finde: Es geht um Glocken, die süß klingen.

Wenn ich an etwas Süßes denke, fallen mir zuerst Naschereien wie Schokolade, Gummibärchen oder jetzt in der Weihnachtszeit vor allem Plätzchen ein. Das passt jedoch überhaupt nicht zu den klingenden Glocken. Was könnte stattdessen mit den süßen Glocken gemeint sein?

In einer übertragenen Bedeutung kann man das Adjektiv „süß“ auch als niedlich oder entzückend verstehen („Der Teddy ist zum Knuddeln süß“). Aber auch das trifft hier nicht den Kern. Zum Glück kennt der Duden noch eine weitere Bedeutung: „zart, lieblich klingend und eine angenehme Empfindung hervorrufend“. Das ist vermutlich gemeint, denn Glocken können einen Wohlklang erzeugen („’s ist, als ob Engelein singen“).

Zum Hintergrund dieses Weihnachtsliedes

Die Christen feiern Weihnachten als das Fest der Geburt Jesu. Klingende Glocken haben etwas sehr Festliches, sie verkünden etwas. In diesem Weihnachtslied verkünden sie die Geburt Jesu („wie sie gesungen in seliger Nacht“). Sie symbolisieren die Freude – das kann man selbst leicht spüren, wenn man das Weihnachtslied mitsingt: „Glocken mit heiligem Klang, klinget die Erde entlang!“

 

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Weihnachtslied-Check: Türen hoch und Tore weit machen

Für Sie nachgeschlagen … #2 Türen hoch und Tore weit machen

Kurz vor Weihnachten schreibe ich wieder etwas über ein Weihnachtslied. Vergangenes Jahr hatte ich mir den Text der „Guten neuen Mär“ genauer angeschaut. Dieses Jahr habe ich mich für „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“ entschieden.

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit;
es kommt der Herr der Herrlichkeit,
ein König aller Königreich,
ein Heiland aller Welt zugleich,
der Heil und Leben mit sich bringt;
derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott,
mein Schöpfer reich von Rat.“
(Text: Georg Weissel, 1623)

Die Bedeutung des Textes

Bei „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“ ist es gerade die erste Textzeile, die ich sprachlich spannend finde. Denn die anderen Zeilen klingen – rein sprachlich betrachtet – auch in unseren heutigen Ohren noch richtig. Doch bei den heutigen Türen spricht niemand mehr vom Hochmachen. Unsere neuzeitlichen Türen öffnen sich seitlich. Und auch „die Tor“ klingt für uns heute fremd oder sogar falsch. Hier wurde schlicht ein Buchstabe ausgelassen, korrekt wäre „die Tore“.

Zum Hintergrund dieses Weihnachtsliedes

Laut eines Artikels auf Wikipedia soll der Grundstückseigentümer, auf dessen Land der Weg vom Armenhaus zur Kirche verlief, den Durchgang für Dritte verschlossen haben und durch den Gesang des Liedes dazu bewegt worden sein, die Pforten wieder zu öffnen.

Eine zweiflüglige Tür, auf einer Seite geöffnet.

Geöffnete Tür, Foto: Katja Rosenbohm

Das kann man sich lebhaft vorstellen: Im 17. Jahrhundert gab es Türen, die man „hoch“ machte – denken Sie an Zugbrücken. Und es gab Tore, die sich „weit“ aufmachen, nämlich zweiflüglig öffnen ließen. Ob der besagte Grundstückseigentümer eine Tür zum Hochziehen hatte, mag man bezweifeln. Doch ein verschlossenes Tor, das sich weit öffnen ließ, kann man sich bei einem Landbesitzer gut vorstellen.

Zurück zur ersten Zeile dieses schönen Weihnachtsliedes. Heute würde man vielleicht eher sagen: „Macht auf die Tür, öffnet die Tore weitwas sich, zugegebenermaßen, nicht so klangvoll singen lässt wie der Originaltext.

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Weihnachtslied-Check: Gute neue Mär

Für Sie nachgeschlagen … #1

„Vom Himmel hoch, da komm ich her.
Ich bring’ euch gute neue Mär,
Der guten Mär bring ich so viel,
Davon ich singn und sagen will.“
(Text: Martin Luther)

„Vom Himmel hoch, da komm ich her“ ist eines meiner liebsten Weihnachtslieder. Der Text stammt aus dem 16. Jahrhundert, deshalb sind uns manche der darin vorkommenden Begriffe inzwischen nicht mehr (so) vertraut.

Was heißt denn eigentlich Mär? Spontan fällt mir das Wort Märchen ein, das ist eine Geschichte, die erzählt wird. Nach Duden ist die Herkunft von Mär aus dem althochdeutschen Verb māren abgeleitet, das „verkünden, rühmen“ bedeutet. Mit einer Mär wird also etwas verkündet oder jemand gerühmt.

Heute würde man vielleicht eher sagen: „Ich bring’ euch gute Neuigkeiten Geschichten“ oder „Ich bring’ euch gute neue Storys“.

Edit: Märchen ist eine Verkleinerungsform des althochdeutschen Wortes „mari“, das Nachricht, Erzählung oder Gerücht bedeuten kann. Märchen bezog sich in der Bedeutung schon früh auf etwas Erfundenes, „im Gegensatz zur Mär, die lange Zeit Fakt und Fiktion bezeichnen konnte.“ (Entdeckt im Sprachlog-Beitrag vom 22.12.2016)