Schlagwort-Archive: Krimi

Philips: Lauter Leichen (Rezension)

Eine Krimi-Rezension

Die Handlung:

Das Cover zeigt einen weißen Totenschädel auf schwarzem Hintergrund

E-Book-Cover „Lauter Leichen“ von Zarah Philips, neobooks Hamburg

Die Hamburger Malerin Elenor Gint wird der Tötung ihres Ex-Liebhabers Peter van Wieteren bezichtigt. Zudem scheint es einen Zusammenhang zum Mord an Elenors Vater Konrad Gint zu geben. Dieser Todesfall liegt jedoch bereits Jahre zurück. Damals ermittelte der Kommissar Josef Watkowski gegen Elenors Mutter Martha Gint, bis er selbst bei einem ungeklärten Verkehrsunfall ums Leben kam.

18 Jahre später nimmt Josef Watkowskis Sohn Hiob die Ermittlungen im Fall Peter van Wieteren auf. Und Hiob ist nicht nur Elenor, sondern auch deren Mutter Martha auf der Spur. Trotz aller Professionalität, mit der der attraktive Kommissar auftritt, knistert es gewaltig zwischen ihm und und seiner Hauptverdächtigen.

Als in der Villa von Martha Gint eine weitere Leiche gefunden wird, scheint das Schicksal von Mutter und Tochter besiegelt zu sein. Doch damit ist noch nicht genug: „Apropos Leichen. Die Polizei hat noch zwei weitere gefunden. Eine Frau ungefähr fünfundzwanzig. Sehr alte Leiche. Und dann haben sie noch den Serben aus dem Karpfenteich gefischt.“ (Philips, 2016) Wen wundert es da, dass Frieda, die Großmutter von Elenor, bei der Entführung eines Familienmitglieds der serbischen Mafia ihre Finger im Spiel hat?

Die Bewertung:

Der Krimi „Lauter Leichen“ erzählt nicht nur die Familiengeschichte der Gints, sondern auch die nicht minder verworrene Saga der Familie Anderlei. In ihrem dunkelblauen, 268-PS-starken Jaguar begleitet man Elenor Gint in rasanter Fahrt durch kurvenreiches Gebiet – ohne jedoch ins Schleudern zu kommen. Sehr sorgfältig werden die Charaktere aufgebaut. Als Leserin bzw. Leser erfährt man immer nur so viel, wie es gerade für den jeweiligen Handlungsstrang gerade notwendig ist. Immer wieder zaubert die Autorin ein neues Kaninchen aus ihrem Hut. Und wer glaubt, er weiß Bescheid, wird eines Besseren belehrt.

Mein Fazit: fünf von fünf möglichen Krönchen

Dieses Buch ist spannend, skurril und böse, das macht es für mich bereits jetzt zu Jahresbeginn zu einem meiner Favoriten in diesem Jahr. Die Autorin Zarah Philips zählt für mich als Neuentdeckung im Genre Kriminalroman. Sehr gern möchte ich weitere Bücher von ihr lesen!


Zur Autorin:

Porträtbild der Hamburger Autorin Zarah Philips

Zarah Philips, Autorin des Krimis „Lauter Leichen“

Die Hamburgerin Zarah Philips, Jahrgang 1969, liebt die Elbe und die Alster, kleine und große Menschen, Kunst und fremde Kulturen. Sie ist begeisterte Mutter von drei mittlerweile großen Kindern, die ihr auch einen unorthodoxen beruflichen Werdegang beschert haben: Sie arbeitete als Assistentin, als PR- und Marketingleiterin, als Controllerin und – in ihrem zweiten Leben – als Therapeutin für vornehmlich seelische Belange.

Als sie 22 Jahre alt war, veröffentlichte der Heyne-Verlag ihren Kurzkrimi „Die Erbschaft“ im Sammelband „Die besten Krimis des Jahres 1992“. Das professionelle Schreiben schob sie dennoch auf, denn klassische Arbeit füllte ihren Kühlschrank zuverlässiger. Mit dem Auszug ihres ersten Kindes begann sie ihren Roman „Lauter Leichen“, an dem sie zwei Jahre arbeitete.

Zarah Philips: Lauter Leichen, neobooks, Hamburg, 2016.

 

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Graf-Riemann/Neuburger: Steckerlfisch (Rezension)

Eine Krimi-Rezension

Die Handlung: Der Einsamkeit im Alter entkommen und als Senioren-Ermittlerpaar auf Verbrecherjagd gehen

Cover des Kriminalromans „Steckerlfisch“

Cover: Steckerlfisch, © Emons Verlag

Das wird Ihnen mit diesem Krimi serviert: Eine exklusive Residenz in Prien, idyllisch am Chiemsee gelegen, dient als gediegener Altersruhesitz für Senioren. Eine unnahbare Geschäftsführerin teilt mit dem Leiter der Einrichtung nicht nur Berufliches. Eine Krankenschwester, die in ihrer Gottesfurcht nicht zu überbieten ist.  Ein angebliches Wellness-Ressort am Schwarzen Meer, in dem die Senioren mehrere Wochen zur Thalasso-Therapie verbringen sollen.

Was die Idylle trübt: innerhalb der letzten Monate sterben mehr Senioren als gewöhnlich. Und dann verschwindet eine ältere Residenzbewohnerin auch noch spurlos in Rumänien.

Helmut Meißner, pardon: Kommerzialrat Helmut Meißner, ist ein von sich selbst eingenommener alter Kauz, der nach dem Tod seiner Frau Margarete in die Residenz gezogen ist, um der Einsamkeit zu entfliehen. Ihm kommen nach und nach Zweifel, ob die letzten – für ihn unerwarteten – Todesfälle wirklich natürlichen Ursprungs waren. Während er das nähere Umfeld der Residenz unter die Lupe nimmt, knüpft er zarte Bande mit der neuen Bewohnerin Helene, die er zunächst für eine alte Adelsschnepfe hält.

Sein Neffe Stefan Meißner, Hauptkommissar aus Ingolstadt, fährt mit Freundin Marlu, ebenfalls bei der Kripo, nach Prien, um auf Wunsch dessen Vaters dort einmal nach dem Rechten zu sehen. Ein Pflichtbesuch, echte Sympathie sieht anders aus: „Mein Onkel Helmut. Bruder meines Vaters. Unternehmer, Gründer einer Baumarktkette. Stinkreich, seit ich denken kann.“ (Graf-Riemann/Neuburger, 2016, S. 17)

Die Bewertung: Ein kulinarischer Leckerbissen

Mit Kommerzialrat Helmut Meißner und Freifrau Helene von Hertan hat sich im neuesten Krimi von Lisa Graf-Riemann und ihrem Co-Autoren Ottmar Neuburger ein Ermittlerduo auf den Weg gemacht, das die beiden Profis Stefan und Marlu alt aussehen lässt. Schrullig und liebevoll-garstig im Umgang miteinander, begeben sich die beiden Alten auf Verbrecherjagd. Sogar der Steckerlfisch, der erst nach Auflösung als Trophäe verspeist wird, gerät dabei zur Nebenrolle.

Mein Fazit: köstlich!

Lisa Graf-Riemann/Ottmar Neuburger: Steckerlfisch, Köln, 2016.

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Christine Lehmann: Allesfresser (Rezension)

Eine Krimi-Rezension

Die Handlung: Sind Veganer die moralisch besseren Menschen?

Cover des Kriminalromans „Allesfrsser“

Cover: Allesfresser, © Ariadne Kriminalroman, Argument Verlag

Der beliebte Fernsehkoch Hinni Rappküfer wird seit einigen Tagen vermisst. Als eine per Flaschenpost im Neckar treibende Botschaft entdeckt wird, deutet alles auf seine Entführung hin.

Die Ermittlungen von Polizei und Stuttgarter Staatsanwaltschaft laufen auf Hochtouren, als diese zudem auf Tipp der Nachrichtendienste auf das Blog vegancode stoßen. Darin beschreibt ein anonym bleibenden Autor ein sog. Menschenschlachthaus, in dem Menschen wie Tiere ausgebeutet und auf die Schlachtbank geführt werden. „[Ich] unterscheide nicht zwischen menschlichen und tierischen Tieren, zwischen Haustieren und Schlachtvieh.“ (Lehmann, 2016, S. 6)

Könnten sich die schockierenden Andeutungen etwa auf den Verbleib des Starkochs Rappküfer beziehen? Dieser hatte in der Vergangenheit mit seinen provokanten Äußerungen immer wieder die vegane Szene in Aufruhr gebracht. In einem YouTube-Video hatte er der fleischlosen Ernährung jedwede Daseinsberechtigung abgesprochen: „Ich wurde hineingeboren in eine traditionsreiche Vegetarierfamilie. Mein halbes Leben bin ich krank gewesen. Dann habe ich umgestellt auf eine besonders fleisch- und fettreiche Kost.“ (Lehmann, 2016, S. 15)

Das Grauen nimmt seinen Lauf, als in einem stillgelegten Bahntunnel am Stuttgarter Rosensteinpark eine unfassbare Entdeckung gemacht wird: dort befinden sich mehrere, für den Handel bereits portionierte Fleischpakete. Muss man mit dem Schlimmsten rechnen? Als Tierschutzaktivistin schleust sich Lisa Nerz in die vegane Szene ein, um dort verdeckt zu recherieren und so auf neue Spuren im Fall Hinni Rappküfer zu stoßen.

Die Bewertung: Keine leichte Kost

Auch in ihrem elften Fall „Allesfresser“ beweist Lisa Nerz, Journalistin und private Ermittlerin mit persönlichen Beziehungen zur Stuttgarter Staatsanwaltschaft, erneut ihre Belastbarkeit und Ausdauer. Sie ist hart im Nehmen, wenn es darum geht, an wichtige Informationen zu kommen. Wie gewohnt steckt sie ihre Nase in fremde Angelegenheiten, tritt anderen auf die Füße und wirbelt unerschrocken innerhalb einer Gruppe radikaler Veganer jede Menge Staub auf. Für mich einer der besten bisher erschienenen Lisa-Nerz-Fälle.

Christine Lehmann: Allesfresser, Argument Verlag, Hamburg, 2016.

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Anette Huesmann: Blau-weiß-tot – Der badische Krimi (Rezension)

Eine Krimi-Rezension

Die Handlung

Cover des Kriminalromans „Blau-weiß-tot“

Cover: Blau-weiß-tot © Emons Verlag GmbH, 2015

Ein Eishockeyspiel in der Mannheimer SAP Arena. Die Nürnberger Ice Tigers stehen im Play-off-Viertelfinale gegen Adler Mannheim. Ein Knall ertönt – auf dem Eis liegt ein toter Spieler. Die Täterin wird noch vor Ort verhaftet. Welche Verbindung besteht zwischen ihr und dem Opfer? Ihre Beweggründe bleiben im Dunkeln, das Motiv auch.

Bereits bei der Einlasskontrolle hat Christina Peters, kurz Chris, Mitarbeiterin des Sicherheitsdienstes, ein mulmiges Gefühl, als sie die spätere Täterin nach unerlaubten Gegenständen absucht. Aber sie findet nichts bei ihr: „Die Zuschauerin war sauber.“ Das Misstrauen geweckt, folgt Chris der Frau, kann aber das Schlimmste nicht verhindern.

Kurzzeitig noch als Mittäterin verdächtigt, erhält Chris den Sonderauftrag, die Planung und Organisation des Attentats zu rekonstruieren und mögliche Hintermänner aufzudecken. Der Job ist ihr wichtig, sie hat ein gutes Gespür für Menschen und kann andere leicht durchschauen.

Allerdings befindet sich Chris auch in einer persönlichen Umbruchphase. Sie will ihre Lebensweise ändern und fängt während ihrer Ermittlungen selbst einen Sport an. Es ist keine einfache Zeit für Chris, die während ihrer Ermittlungen auch noch private Angelegenheiten für sich klären muss …

Die Bewertung

Zum Verständnis der Geschichte benötigt man kein Eishockeywissen. Denn die Autorin hat sorgfältig recherchiert und bringt dem Leser und der Leserin das Umfeld nahe. So erfährt man ganz beiläufig, welche Rolle Berater in der Profiliga spielen und über welche Summen dabei verhandelt wird. Zudem erfährt man einiges über schweißtreibendes Kampfsporttraining, das die Ermittlerin in einem Kickbox-Studio absolviert.

Das Umfeld der Eishockeyprofis, eine ungewöhnliche Handlung und die kauzige Ermittlerin machen „Blau-weiß-tot“ zu einem Kriminalroman, den man so noch nicht gelesen hat. Gleichzeitig schenkt Autorin Anette Huesmann der Stadt Mannheim viel Beachtung und setzt ihr dadurch ein liebenswertes Denkmal.

Anette Huesmann: Blau-weiß-tot, Emons Verlag, Köln, 2015.

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Lisa Graf-Riemann: Madame Merckx trinkt keinen Wein – Ein Südfrankreich-Krimi (Rezension)

Eine Krimi-Rezension

Die Handlung

Cover des Kriminalromans „Madame Mercks trinkt keinen Wein“

Cover: Madame Mercks trinkt keinen Wein © Emons Verlag GmbH, 2015

Ein kleines Bergdorf im südfranzösischen Languedoc. Ein Jagdunfall, kurze Zeit später wird ein Dorfbewohner tot aufgefunden. Ein Fall von Herzversagen? Der junge Landarzt Daniel Michelet hat Zweifel und lässt die Leiche im pathologischen Institut von Béziers obduzieren.

Dorfpolizist Marcel sorgt sich umso mehr um seine Teilnahme am New-York-Marathon. Schließlich muss er nun, statt zu trainieren, zwischen dem – zur Aufklärung des Falles aus der Stadt herbeizitierten – schnöseligen Kriminalkommissar Raymond Riquet und den eigensinnigen Dorfbewohnern vermitteln.

Mado, die Witwe des verstorbenen Griesgrams Jean Vidal, gerät unter Mordverdacht. Doch die drei Frauen Arlette, Giselle und Isa halten zu ihrer Freundin und machen sich selbst auf die Suche nach dem Mörder …

Die Bewertung

Schon nach der ersten Seite bin ich selbst mittendrin im Geschehen. Die Beschreibung der Landschaft und ihrer Bewohner erzeugen sofort Bilder in meinem Kopf. Sorgfältig und liebevoll hat Lisa Graf-Riemann die einzelnen Protagonisten geschaffen, jede Person in der Handlung bringt ihre eigene Geschichte mit.

„Madame Merckx trinkt keinen Wein“ ist ein Roman, der Lust auf Südfrankreich macht, man möchte Land und Leute direkt kennenlernen – und nicht zu vergessen, das vorzügliche Essen! Als besonderes Bonbon verrät die Autorin am Ende des Buches, wie die im Roman erwähnten Gerichte zubereitet werden.

Alles in allem ein Buch, das ich sehr gern weiterempfehle! Ein wahrer Augenschmaus.

Lisa Graf-Riemann: Madame Merckx trinkt keinen Wein, Emons Verlag, Köln, 2015.