Schlagwort-Archive: Lektorat

Falsche Schreibweise von „Herzlich willkommen“, gefunden auf dem alten Feuerschiff der Nordseeinsel Borkum.

Wie wird HERZLICH WILLKOMMEN richtig geschrieben?

„HERZLICH WILLKOMMEN“ als Lieblingsfehler

Im letzten Jahr habe ich mich in einem Beitrag intensiver mit der falschen Schreibweise von „HERZLICH WILLKOMMEN“ beschäftigt. Denn wenn es so etwas wie einen Lieblingsfehler bei Lektorinnen gibt, dann liegt die falsche Schreibung von HERZLICH WILLKOMMEN bei mir ganz weit vorn.

Heute zeige ich Ihnen die nächsten Fundstücke.

Falsche Schreibweise von „Herzlich willkommen“, gefunden auf der Nordseeinsel Borkum.

Auf dem Feuerschiff „Borkumriff“ wird man nicht korrekt begrüßt. Foto: Katja Rosenbohm

 

 

 

 

 

 

 

Falsche Schreibweise von „Herzlich willkommen“, gefunden im Berghotel Tirol in Jungholz.

Auch im Berghotel Tirol in Jungholz wird man nicht korrekt begrüßt. Foto: Katja Rosenbohm

 

 

 

 

 

 

 

Falsche Schreibweise von „Herzlich willkommen“, gefunden Playmobil FunPark in Zirndorf.

Und auch im Playmobil FunPark in Zirndorf wird man nicht korrekt begrüßt. Foto: Katja Rosenbohm

 

 

 

 

 

 

 

  • In der Begrüßung zusammen mit „herzlich“ wird „willkommen“ immer kleingeschrieben, weil „willkommen“ hier ein Adjektiv ist: „Herzlich willkommen!“
  • Beim herzlichen Willkommen handelt es sich dagegen um ein Substantiv, das großgeschrieben wird: „Wir möchten Ihnen ein herzliches Willkommen bereiten!“

PS: Ich freue mich, wenn Sie im Alltag auf die falsch geschriebene Begrüßungsformel stoßen, diese auf einem Foto festhalten und mit mir hier auf meinem Blog teilen.

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Blogwichteln 2016: Lektorat ist nicht gleich Lektorat

Texttreff-Blogwichteln 2016 – Ein Gastbeitrag von Kerstin Fricke

ttbw_buttonLetzte Woche schrieb ich für meine Berliner Netzwerkkollegin Kerstin Fricke einen Blogwichtel-Beitrag über den Wandel der Sprache. Im Gegenzug wurde ich jetzt von ihr beschenkt. Ich freue mich sehr über diesen Gastbeitrag zum Unterschied zwischen belletristischem Lektorat und Übersetzungslektorat. Vielen Dank!


Lektorat ist nicht gleich Lektorat

Das gilt ja schon mal generell, aber im Folgenden möchte ich vor allem auf das Lektorat von Romanen und insbesondere auf die Unterschiede zwischen dem Lektorat eines deutschen Autors und einem Übersetzungslektorat eingehen.

Belletristisches Lektorat

Im ersten Fall übernehme ich meist auch das stilistische Lektorat und achte nicht nur darauf, dass Rechtschreibung, Grammatik und Stil passen, sondern habe auch ein besonderes Augenmerk auf Logikfehler und gebe Tipps zur Story oder zu Elementen, die meiner Ansicht nach fehlen. Das kann manchmal nur eine Kleinigkeit sein, wenn der Autor beispielsweise während der Bearbeitung den Namen eines Protagonisten ändert und Klaus mittendrin plötzlich in einem Absatz immer noch Reinhard heißt, wenn einer der Charaktere in einer Szene ein Hemd trägt, das eben noch grau war, jetzt aber auf einmal schwarz ist, oder wenn die Heldin abwechselnd blaue oder braune Augen hat. Spielt die Geschichte in einer real existierenden Stadt, überprüfe ich nach Möglichkeit auch, ob die Wege, die die Figuren zurücklegen, überhaupt realistisch und in der angegebenen Zeit zu bewältigen sind und ob andere Beschreibungen von Bauwerken oder Plätzen halbwegs passen (ein wenig künstlerische Freiheit ist ja erlaubt, aber die Strecke zwischen München und Berlin ist gegenwärtig nun mal definitiv nicht in einer Stunde zu schaffen). Zudem achte ich auf mögliche Plotlöcher und merke an, wenn sich eine Figur uncharakteristisch verhält oder es bei bestimmten Punkten noch Erklärungsbedarf gibt. Wie viel der Autor von meinen Vorschlägen umsetzt, bleibt natürlich ihm allein überlassen, aber ich habe dann wenigstens mein Möglichstes getan, um den Roman zu verbessern.

Lektorierter Text nach der Bearbeitung

So kann ein lektorierter Text dann nach der Bearbeitung schon mal aussehen …

Übersetzungslektorat

Bei einem Übersetzungslektorat fällt all das im Optimalfall weg, da der Ausgangstext bereits lektoriert sein sollte (was leider nicht immer der Fall ist), aber es kann durchaus vorkommen, dass man auch dann noch einige kleinere Fehler entdeckt, diese in der deutschen Fassung ausmerzt und den Autor darauf hinweist. Vor allem aber mache ich im ersten Durchlauf einen direkten Vergleich zwischen Ursprungs- und Zieltext, um mich u. a. auch zu vergewissern, dass keine Stellen übersehen wurden, und um mögliche Formatierungsanpassungen wie Kursivsetzungen, Einschübe etc. anzupassen. Beim zweiten Durchgang habe ich den englischen Text zwar noch offen, achte aber vor allem auf die Lesbarkeit der deutschen Version, die nicht holprig klingen und auch nicht zu sehr am Original „kleben“ darf, und schaue nur an Stellen, an denen mir etwas merkwürdig vorkommt, noch einmal in die englische Fassung.

Außerdem muss bei einer Übersetzung oftmals einiges lokalisiert, angepasst oder weggelassen werden, da manche Anspielungen, Redewendungen oder Witze schlichtweg nicht übertragbar sind und man dann zusammen mit dem Übersetzer überlegt, wie man solche Stellen am besten umsetzen kann, ohne das Original zu sehr zu verfälschen oder den Leser mit Anmerkungen aus dem Lesefluss zu reißen. Wird beispielsweise aus einem Lied oder einer Fernsehserie zitiert, das bzw. die im deutschsprachigen Raum relativ oder völlig unbekannt ist, gilt es, eine Entsprechung zu finden, mit der etwas Ähnliches ausgesagt wird – ohne dabei allerdings (wie es früher häufig getan wurde) einfach alles gnadenlos einzudeutschen und einen amerikanischen Teenager dann plötzlich Rudi Carrell zitieren zu lassen …

 


Zur Autorin

Kerstin Fricke, Autorin des Gastbeitrags

Kerstin Fricke, Autorin des Gastbeitrags

Kerstin Fricke lebt und arbeitet seit 2009 in Berlin, wo sie Bücher, Comics, Apps und Computer-/Videospiele übersetzt und lektoriert und somit ihre Hobbys zu ihrem Beruf gemacht hat.

Webseite: www.kf-uebersetzungen.de,
Blog: pbcat.blog

 

 

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Falsche Schreibweise von „Herzlich willkommen“, gefunden bei EDEKA in Esslingen.

Wissen Sie, wie „HERZLICH WILLKOMMEN“ richtig geschrieben wird?

Herzlich willkommen auf Platz 1 der falschen Schreibweisen

Falsche Schreibweise von „Herzlich willkommen“, gefunden bei EDEKA in Esslingen.

Kein „Herzlich willkommen“ – bei EDEKA in Esslingen wird man nicht korrekt begrüßt. Foto: Katja Rosenbohm

Kennen Sie das auch? Sie sehen im Alltag immer wieder den gleichen, immer wieder falsch geschriebenen Ausdruck. Und Sie fragen sich, woher das wohl kommen mag. Ich habe für mich diese Erklärung gefunden: Man liest so häufig die falsche Variante, dass sie letztlich für richtig gehalten wird.

Ich habe in den letzten Monaten so viele falsch geschriebene „Herzlich-willkommen“-Begrüßungen entdeckt, dass diese Wortkombination in meiner persönlichen Statistik der falschen Schreibweisen mit Abstand auf Platz 1 gelandet ist.

Daraus ist nun eine neue Blog-Kategorie „Herzlich willkommen“ entstanden, die ich Ihnen heute vorstelle. Hier präsentiere ich Ihnen falsch geschriebene „Herzlich willkommen“-Fundstücke aus dem Netz und dem realen Leben. Und wenn Ihnen im Alltag die falsche Begrüßungsformel begegnet, freue ich mich, wenn Sie diese auf einem Foto festhalten und mit mir teilen.

Falsche Schreibweise von „Herzlich willkommen“, gefunden bei Rewe in Fellbach.

Und auch kein „Herzlich willkommen“ – bei Rewe in Fellbach. Foto: Katja Rosenbohm

Falsche Schreibweise von „Herzlich willkommen“, gefunden bei Feneberg in Blaichach.ch.

Ebenso kein „Herzlich willkommen“ bei Feneberg in Blaichach. Foto: Katja Rosenbohm

Herzlich willkommen …

Für diesen Gruß gibt es nur eine (!) korrekte Schreibweise. Als Begrüßungsformel in Verbindung mit „herzlich“ wird „willkommen“ kleingeschrieben, weil „willkommen“ hier ein Adjektiv ist: „Herzlich willkommen!“ – Dagegen handelt es sich beim herzlichen Willkommen um ein Substantiv, das immer großgeschrieben wird: „Wir möchten Ihnen ein herzliches Willkommen bereiten!“

Lassen Sie sich nicht ins Bockshorn jagen oder verunsichern, wenn Sie wieder einmal auf eine falsche Schreibweise stoßen. Falls Sie sich nicht sicher sind, ob Sie mit den von Ihnen verwendeten Schreibweisen richtig liegen, dann wenden Sie sich vertrauensvoll an einen Profi.

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Fehler treten dann auf, wenn es besonders schnell gehen muss

Ein Fall für die Orthogräfin #9: „NEEU LOOKS für den Sommer“ – Oder: Fehler treten dann auf, wenn es besonders schnell gehen muss

Ein Geständnis vorweg

Ich gestehe: ich bin ein Fan von Boden. Mir gefällt die Kleidung und ich mag es, wie sich das Unternehmen präsentiert.

Schnell, schnell, schnell

Katalog-Cover mit Fehler

Fehlerteufel auf dem Katalog-Cover

Beim neuesten Katalog musste es vermutlich besonders schnell gehen … Die Liste, was alles vor Druck noch erledigt werden muss, ist erfahrungsgemäß lang. Dann kann in der Eile aus dem gewünschten Slogan „NEUE LOOKS für den Sommer“ leider auch ein fehlerhaftes „NEEU LOOKS …“ werden.

Fehler passieren

Das Ganze wäre überhaupt nicht schlimm, wenn das Cover – auch wenn es zeitlich knapp ist – noch lektoriert würde. Einem zweiten Augenpaar wäre dieser Fehler bestimmt aufgefallen und alles wäre noch einmal gut gegangen.

Mein Tipp: Wenn es schnell gehen muss (und gerade dann!), sollten Sie nicht am Lektorat sparen. Sonst entstehen in der Eile Fehler, die vor Drucklegung oder Veröffentlichung keinem mehr auffallen.

Den Rotstift immer griffbereit: Über die Aufgaben einer Lektorin

Small Talk auf einer Party: „Und was machst du beruflich?“ – „Ich bin Lektorin.“ – „Ah, dann korrigierst du also Texte?“ – Am Blick meines Gegenübers kann ich sehen, dass er sich darunter nichts Konkretes vorstellen kann – außer dass es etwas mit Rechtschreibung zu tun hat. Deshalb fange ich an zu erklären …

Was also macht eine Lektorin?

Eine Lektorin prüft und bearbeitet Texte, die zur Veröffentlichung vorgesehen sind. Dies können z. B. ganz klassisch Manuskripte für Buchverlage oder Werbetexte für Unternehmen und Agenturen sein. Es reicht nämlich in der Regel nicht aus, sich auf die Überprüfung von Rechtschreibung und Grammatik im Textverarbeitungsprogramm zu verlassen. Beim Lektorieren lese ich den Text mehrmals und konzentriere mich dabei jeweils auf eine der drei Ebenen: Inhalt, Sprache und Formales.

Inhalt

Die Autorin eines Textes ist Expertin auf ihrem Gebiet. Dennoch kontrolliere ich in einem Text stichprobenartig, ob alle gemachten Angaben korrekt sind. Beim inhaltlichen Lektorieren achte ich zum Beispiel darauf, ob der Inhalt logisch aufgebaut, sachlich richtig und (noch) aktuell ist (z. B. Aktualität: Eltern haben dann Anspruch auf Elterngeld Erziehungsgeld, wenn …). Ich prüfe auch, ob die verwendeten Zahlen und Fakten plausibel sind (z. B. 1,0 10 g Zimt).

Sprache und Stil

Bei der sprachlichen Überprüfung schaue ich auf die grammatikalische Richtigkeit (z.B. auf die Bezüge: Sie öffnete den Koffer und überraschte John ihn, indirekte Rede: Sie schrie, sie sei wäre einsam, korrekte Zeiten: Er hatte das Kind gewarnt, dass die Flamme der Kerze heiß ist war). Ich überprüfe auch den Stil (z.B. richtige Metapher: jemanden übers aufs Ohr hauen) und die Einhaltung fester Redewendungen (z.B. richtige Kollokation: Sie fällte fasste die Entscheidung, Anglizismen: geboren im Jahr in 1986).

Da es sich bei der sprachlichen Beurteilung von Texten oftmals um eher subjektive Kriterien handelt, gehe ich hier besonders behutsam vor.

Formales

Unter Formales fallen einheitliche Schreibweisen (z.B. Phantasie und fantasievoll), Begriffe und Abkürzungen. Wenn verschiedene Varianten nebeneinander bestehen, ist nicht die Schreibweise des Begriffs im Sinne der Rechtschreibung falsch. Hier gilt: Wenn man sich zu Beginn eines Textes für eine bestimmte Schreibweise entschieden hat, sollte man dabei bleiben.

Und was bleibt noch für die Korrektorin übrig?

Die Korrektorin übernimmt beim Prüfen eines Textes die Arbeitsschritte, die den meisten beim Stichwort Lektorat zuallererst einfallen. Hier geht es um Rechtschreibung (z.B. Orthografie Ortografie), Zeichensetzung („Punkt, Punkt, Komma, Strich …“) und Silbentrennung.

Was genau die Lektorin prüfen und korrigieren soll, sollte vor Arbeitsbeginn mit dem Auftraggeber geklärt werden. Häufig wird (ich vermute aus Unwissenheit) das Korrektorat mit dem Lektorat gleichgesetzt, es ist tatsächlich aber nur ein Teilaspekt des Lektorats. In meinem Fall beinhaltet jedes Lektorat auch gleichzeitig ein Korrektorat.

„Das wusste ich ja alles noch gar nicht … Klingt auf jeden Fall sehr interessant, was du da machst. Da hast du bestimmt sehr viel Abwechslung.“ – „Stimmt. Das ist auch einer der Gründe, warum mir meine Arbeit so viel Spaß macht.“

[Dieser Beitrag wurde ursprünglich von mir bereits im Jahr 2015 als Gastbeitrag für das Blog einer Kollegin aus dem Netzwerk wortstarker Frauen geschrieben und veröffentlicht. Dieses Blog wurde zwischenzeitlich vom Netz genommen.]