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Fehler treten dann auf, wenn es besonders schnell gehen muss

Ein Fall für die Orthogräfin #9: „NEEU LOOKS für den Sommer“ – Oder: Fehler treten dann auf, wenn es besonders schnell gehen muss

Ein Geständnis vorweg

Ich gestehe: ich bin ein Fan von Boden. Mir gefällt die Kleidung und ich mag es, wie sich das Unternehmen präsentiert.

Schnell, schnell, schnell

Katalog-Cover mit Fehler

Fehlerteufel auf dem Katalog-Cover

Beim neuesten Katalog musste es vermutlich besonders schnell gehen … Die Liste, was alles vor Druck noch erledigt werden muss, ist erfahrungsgemäß lang. Dann kann in der Eile aus dem gewünschten Slogan „NEUE LOOKS für den Sommer“ leider auch ein fehlerhaftes „NEEU LOOKS …“ werden.

Fehler passieren

Das Ganze wäre überhaupt nicht schlimm, wenn das Cover – auch wenn es zeitlich knapp ist – noch lektoriert würde. Einem zweiten Augenpaar wäre dieser Fehler bestimmt aufgefallen und alles wäre noch einmal gut gegangen.

Mein Tipp: Wenn es schnell gehen muss (und gerade dann!), sollten Sie nicht am Lektorat sparen. Sonst entstehen in der Eile Fehler, die vor Drucklegung oder Veröffentlichung keinem mehr auffallen.

Den Rotstift immer griffbereit: Über die Aufgaben einer Lektorin

Small Talk auf einer Party: „Und was machst du beruflich?“ – „Ich bin Lektorin.“ – „Ah, dann korrigierst du also Texte?“ – Am Blick meines Gegenübers kann ich sehen, dass er sich darunter nichts Konkretes vorstellen kann – außer dass es etwas mit Rechtschreibung zu tun hat. Deshalb fange ich an zu erklären …

Was also macht eine Lektorin?

Eine Lektorin prüft und bearbeitet Texte, die zur Veröffentlichung vorgesehen sind. Dies können z. B. ganz klassisch Manuskripte für Buchverlage oder Werbetexte für Unternehmen und Agenturen sein. Es reicht nämlich in der Regel nicht aus, sich auf die Überprüfung von Rechtschreibung und Grammatik im Textverarbeitungsprogramm zu verlassen. Beim Lektorieren lese ich den Text mehrmals und konzentriere mich dabei jeweils auf eine der drei Ebenen: Inhalt, Sprache und Formales.

Inhalt

Die Autorin eines Textes ist Expertin auf ihrem Gebiet. Dennoch kontrolliere ich in einem Text stichprobenartig, ob alle gemachten Angaben korrekt sind. Beim inhaltlichen Lektorieren achte ich zum Beispiel darauf, ob der Inhalt logisch aufgebaut, sachlich richtig und (noch) aktuell ist (z. B. Aktualität: Eltern haben dann Anspruch auf Elterngeld Erziehungsgeld, wenn …). Ich prüfe auch, ob die verwendeten Zahlen und Fakten plausibel sind (z. B. 1,0 10 g Zimt).

Sprache und Stil

Bei der sprachlichen Überprüfung schaue ich auf die grammatikalische Richtigkeit (z.B. auf die Bezüge: Sie öffnete den Koffer und überraschte John ihn, indirekte Rede: Sie schrie, sie sei wäre einsam, korrekte Zeiten: Er hatte das Kind gewarnt, dass die Flamme der Kerze heiß ist war). Ich überprüfe auch den Stil (z.B. richtige Metapher: jemanden übers aufs Ohr hauen) und die Einhaltung fester Redewendungen (z.B. richtige Kollokation: Sie fällte fasste die Entscheidung, Anglizismen: geboren im Jahr in 1986).

Da es sich bei der sprachlichen Beurteilung von Texten oftmals um eher subjektive Kriterien handelt, gehe ich hier besonders behutsam vor.

Formales

Unter Formales fallen einheitliche Schreibweisen (z.B. Phantasie und fantasievoll), Begriffe und Abkürzungen. Wenn verschiedene Varianten nebeneinander bestehen, ist nicht die Schreibweise des Begriffs im Sinne der Rechtschreibung falsch. Hier gilt: Wenn man sich zu Beginn eines Textes für eine bestimmte Schreibweise entschieden hat, sollte man dabei bleiben.

Und was bleibt noch für die Korrektorin übrig?

Die Korrektorin übernimmt beim Prüfen eines Textes die Arbeitsschritte, die den meisten beim Stichwort Lektorat zuallererst einfallen. Hier geht es um Rechtschreibung (z.B. Orthografie Ortografie), Zeichensetzung („Punkt, Punkt, Komma, Strich …“) und Silbentrennung.

Was genau die Lektorin prüfen und korrigieren soll, sollte vor Arbeitsbeginn mit dem Auftraggeber geklärt werden. Häufig wird (ich vermute aus Unwissenheit) das Korrektorat mit dem Lektorat gleichgesetzt, es ist tatsächlich aber nur ein Teilaspekt des Lektorats. In meinem Fall beinhaltet jedes Lektorat auch gleichzeitig ein Korrektorat.

„Das wusste ich ja alles noch gar nicht … Klingt auf jeden Fall sehr interessant, was du da machst. Da hast du bestimmt sehr viel Abwechslung.“ – „Stimmt. Das ist auch einer der Gründe, warum mir meine Arbeit so viel Spaß macht.“

[Dieser Beitrag wurde ursprünglich von mir bereits im Jahr 2015 als Gastbeitrag für das Blog einer Kollegin aus dem Netzwerk wortstarker Frauen geschrieben und veröffentlicht. Dieses Blog wurde zwischenzeitlich vom Netz genommen.]

Und was machen Sie so beruflich?

Angestoßen durch Wibke Ladwigs Blogparade http://www.sinnundverstand.net/2013/02/05/blogparade-neue-berufsbilder/  zur Frage „Und was machen Sie so beruflich?“ ist dieser Beitrag entstanden …

Bereits während des Studiums hörte ich als angehende Geisteswissenschaftlerin häufiger die Frage, was man denn damit beruflich anfangen könne. Und später, nach dem Studium, als eine Sachbearbeiterin der Agentur für Arbeit meine Studienfächer aufnahm, bekam ich folgende Frage gestellt: „Ähm, Politikwissenschaft …? Ach, Sie sind Politikerin?“

Büchermenschen im weitesten Sinne wissen, was alles zum Arbeitsalltag einer Lektorin gehört. Außerhalb der Bücherwelt sieht das schon ganz anders aus … Fragen wie „Ach, Sie sind Lektorin …? Und was macht man da so …?“ kenne ich zuhauf. Vor kurzem telefonierte ich mit einer sympathischen Dame in einem Callcenter, die mir eben genau diese Fragen stellte und nach einer kurzen Denkpause selbst damit antwortete, sie wisse jetzt Bescheid, sie habe ja Shades of Grey gelesen.

Menschen außerhalb der Verlagswelt erzähle ich in der Regel, dass ich was mit Büchern mache. Neuerdings füge ich dann noch hinzu, dass ich auch noch was mit Marketing mache, Webseiten, Facebook und so.